Wie ich mit Ohnmacht umgehe

Wie ich mit Ohnmacht umgehe

Mit der ganzen medialen Aufregung um Lützerath bin ich mal wieder tiefer in die Materie getaucht. Ich habe in mehreren Berichten gelesen, dass der Kipppunkt, also der Moment, an dem sich das Klima so verändert, dass es nicht mehr zu verhindern ist, noch nicht erreicht ist, wir uns aber mit großen Schritten nähern. Anders als angenommen, ist dieser Punkt wohl nicht erst 2050, sondern schon 2030 zu erwarten. Was das für Auswirkungen nach sich zieht, kann man überall leicht zugänglich erfahren. Dieser spezielle Moment, in dem die Welt von lebensfähig zu nicht lebensfähig wechselt, ist allerdings dramatisch unerforscht. Langsames Dahinsiechen oder Apokalypse? Wir können es nicht wissen. 

Und während ich so von Quelle zu Quelle scrolle, kommen mir Kommentarspalten zwischen die Finger, die mich fassungslos zurücklassen. 

In Dresden eröffnete eine vegane Fleischerei, die der Inhaber auch ganz bewusst so genannt hat, „vegane Fleischerei“. Die Kommentare unter diesem Artikel - hämisch bis vernichtend. In einer Friedenauer Facebook-Gruppe gab es den Hinweis, dass demnächst eine Filiale des Supercoops seine Tore öffnet. MMn ein tolles Konzept, der einzige Kommentar: „Was für ein Schwachsinn“. 

Was ist das für ein schreckliches Gefühl, anderen Menschen dabei zusehen zu müssen, wie ihnen die ganze Angelegenheit Scheißegal ist. Und wie man angefeindet wird, wenn man im Kleinen etwas gegen diese Klimaentwicklung tut. Die Entscheidungsträger hingegen, die, die wirklich etwas bewegen könnten, sitzen sich die Ärsche in ihren Bürosesseln platt und überlegen indes, welchen SUV sie als nächstes in ihren Fuhrpark stellen. Wie werden diese Menschen staunen, wenn in ein paar Jahren das Wasser knapp wird und sich Millionen auf die Flucht machen, weil sie in ihrer Heimat nicht mehr leben können! 

Wirklich, ich könnte durchdrehen bei dem Gedanken an meinen Sohn, der bald neun wird und den Klimawandel in seiner vollen Pracht zu spüren bekommen wird. Wie kann ich ihn darauf vorbereiten? Es macht mich fertig. 

Und weil das so ist und ich nicht einfach den in einem Parlament sitzenden Sechzigjährigen Menschen, der sein ganzes Leben ohne Krieg und größere Katastrophen verbracht hat und der auf den Klimawandel scheißt, stellvertretend verprügeln kann, mache ich in meinem Leben so weiter wie bisher und setze mich ein, wie es in meiner Macht steht. Das einzige, was mir nicht mehr gelingt, ist Freundlichkeit der Gruppe gegenüber aufzubringen, die nicht verstehen will, wie ernst es ist. Ich begegne ihnen inzwischen mit Abscheu. 

 

 

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